Home
Up
Members
Our Sponsors
Search this site
History
Maps
Photo Album
The Newsletter
Links
Addresses
Post your Surnames
Post your Query
Post your Obits
Letters from Fehmarn
The Churches of Fehmarn
Order the Church pages
Visit the Cemetery
LDS Microfilm #'s
Immigration
Occupations
Family Crest
Our trips to Fehmarn
Fehmarn Gift Shop

Familienbande: Die Mackeprangs, Witts und Wittes halten zusammen – seit 440 Jahren

 

Marlies Fischer, Landkirchen.

Die 32 silbernen Becher und Pokale sind geputzt, die Familienfahne hängt ordentlich an der Wand, die Tafel ist festlich gedeckt. Gegen 16 Uhr trudeln die Herren langsam ein. Es ist der Dienstag nach dem zweiten Vollmond im neuen Jahr, und im Saal vom Gasthof Peterson in Landkirchen auf Fehmarn findet das Jahrestreffen der “Vetterschaft [nepotism]; der Mackeprangen und Witten” statt – der letzten Vereinigung dieser Art auf der Ostseeinsel.

Im ausgehenden Mittelalter gab es auf Fehmarn mehr als ein Dutzend solcher Vertternschaften. Die Männlichen Mitglieder einer oder mehrerer Familien schlossen sich in Trutz- und Schutzbünden zusammen, muβten sich Fehde- und Eideshilfe leisten, sogar Blutrache üben. Ausserdem verphlichteten sich die Vettern, einen der Ihren aus Gefangenschaft freizukaufen, Darlehen zu gewähren und in Not geratene Vettern und deren Familien zu unterstützen. Noch heute tragen die Vettern bei der Beerdigung eines Mitglieds den Sarg.

55 Mitglieder hat die “Vetternschft der Mackeprangen und Witten” derzeit. “Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1562”, erzählt Hans-Michel Mackeprang (73), der als Vorsitzender den Titel “Worthalter” trägt. “Wir sind eine Vetterschaft, aber betreiben keine Vetternwirtschaft.” Darauf legt er Wert.

Bei Kaffee und Tee, Bienenstich, Butterkuchen und Käsebrötchen wird erst mal geklöhnt, bevor es an die Tagesordnung geht: Begrüβung, Totengedenken, Anwesenheitskontrolle, Verlesung des Protokolls vom Vorjahr, Kassenbericht, Wahlen, Verschiedenes. Dazu gibts Bier aus den Silberbechern. “Nach dem letzten Treffen war ich nachts um zwei zu Hause”, sagt der Worthalter.

Wer männlich ist, Mackeprang, Witt oder Witte heiβt und nachweisen kann, daβ er auf Fehmarn geboren ist oder seine Vorfahren von der Insel stammen, kann Vetter werden. “Die Mitgliedschaft beginnt nach der Konfirmation und dauert ein Leben lang”, sagt Worthalter Mackeprang. “Unser ältester Vetter ist 81 Jahre alt.” 26 Mitglieder leben noch auf Fehmarn, die anderen sind in ganz Deutschland verstreut, in Wien, auf Gran Canaria oder sogar in Kanada.

Geführt wird der Bund vom “Kollegium der Ältesten” – dem Worthalter, vier Hauptleuten und 16 Älterleuten. Sie müssen sich einmal im Jahr treffen. Alle drei Jahre ist Generalversammlung. Auβerdem wird ein groβes Vetternfest gefeiert, an dem auch die Damen teilnehmen dűrfen.

Frűher war die Vetternschaft reich und zahlte bei den Treffen auch Zinsen aus. “Heute haben wir kaum noch Vermőgen und haben - anders als frueher – keine Handhabe mehr, von säumigen Mitgliedern Geld einzutreiben”, sagt Hans-Michel Mackeprang.

Also nur noch ein gemütliches Beisammensein und Schwelgen in Erinnerungen? Beistand im Kampf gegen Angreifer braucht heute keiner mehr, und wer in Not gerät, kann sich auf den Sozialstaat verlassen. “Wir halten zusammen, wie es in Familien üblich sein sollte”, sagt der Worthalter und macht sich so seine Gedanken über Tradition und Moderne in der Vetterschaft. “Wenn wir stur an allen alten Regeln festhalten, werden wir zum Museumsstück. Aber wenn wir zu flexible sind, gibt es Auflösungstendenzen.”

Für Joachim Witt (24) ist die Tradition kein Problem. “Das Treffen ist ein Muβ. Ich habe mir extra frei genommen”, sagt der Auszubildende. Er hat die Vorzűge der Gemeinschaft schon erfahren. “Als ich in Hamburg plőtzlich keine Wohnung mehr hatte, hat mich Vetter Jan Witt fünf Monate lang bei sich aufgenommen. Das ist wahre Vetterschaft.”

Worthalter Hans-Michel (l.) und Hauptmann Hartwig Mackeprang blättern in der Chronik. Sie reicht bis ins Jahr 1611 zurück.

Bei jedem Treffen dabei: Karsten (26, l.) und Joachim (24) Witt.

Beim Treffen der Vetterschaft (o.) gibt es Rotwein mit Sekt aus dem Silberpokal (l.) von 1911. Der Tischständer mit dem Wappen (r.) darf nicht fehlen. Fotos: Laible

 

Worthalter – Der Chef der Vettern

Hans-Michel Mackeprang führt den Männerbund.

Hans-Michel Mackeprang (73) ist seit sechs Jahren Worthalter der Vetternschaft und gerade im Amt bestätigt worden. Zuvor hat er dem Familienbund jahreland als Schriftführer gedient. Der Landwirt aus Leidenschaft hat fast sein ganzes Leben auf Fehmarn verbracht. Auch Ehefrau Elke (58) stammt von der Insel. Den eigenen Hof, seit 1847 im Besitz der Familie, mit Mutterkühen, Hühnern, Enten und Ackerbau bewirtschaftet jetzt Sohn Carsten (33). Der Senior aber packt jeden Tag mit an. Wenn dann noch Zeit bleibt, betreibt Mackeprang Ahnenforschung, blättert gern in historischen Landkarten und sammelt alte Postkarten. (fis)

 

Aus den Statuten (1830) der Mackeprang-Witt’schen Vetterschaft

§ 1: Der Zweck der Vetterschaft und ihrer Aufrechterhaltung geht dahin, daß sie von den Zinsen ihres Gesamtfonds ihre einzelnen hilfsbedürftigen Mitglieder unterstützt, so daß jeder Vetter, der in Armut gerät, der einen Sohn hat, welcher Lust und Fähigkeit zum Studieren hat, oder das Schulmeisterseminar beziehen oder ein Handwerk lernen will und nicht die Mittel dazu besitzt, von der Vetterschaft eine Unterstützung zu erwarten hat, so soll auch der Tochter eines Vetters, die sich durch ihren Lebenswandel emphohlen hat, und der es bei ihrer Verheiratung an einer Aussteuer mangelt, von der Vetterschaft bedacht und ihr einigermaßen geholfen werden.

§ 2: Jeder, der in diese Vetternschaft wünscht aufgenommen zu werden, muß gehörig nachweisen können, daß er von einem Vetter, einem Mackeprang oder Witte auf der Insel Fehmarn abstamme und den Namen Mackeprang oder Witte fortführe. Wenn ein Vetter auswärts gegangen und dadurch die Vetterschaft verlassen hat, so muß sein sich meldender Abkömmling hier auf der Insel erst wieder seßhaft geworden sein, um aufgenommen zu werden.

Sollte ein solcher sich Meldender, der hier seßhaft geworden, seine Abstammung von einem Fehmaraner nicht dartun können, so wird in Versammlung des Worthalters, der Hauptleute und Ältesten darüber abgestimmt werden, ob sich begründete Vermutungen finden, daß er wohl Vorfahren auf dieser Insel gehabt und ob er aufzunehmen sei oder nicht.