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SAMOA - DAS 'FEHMARN' IM PAZIFIK (Tageblatt 3. Jan. 1996)

 

Hotel in der Südsee, Blanker Hans und was dazwischen liegt (außer 18000 Meilen).

"In West-Samoa, da gibt es ein Restaurant", so fing der Telefonanruf an. "Und das Restaurant wird 'Insel Fehmarn' genannt, liessen die weiteren Ausführungen nun noch vermuten, warum der Anrufer, der sich als Dietrich Fritz aus Burg vorgestellt hatte, dies gerade dem FT-Team mitteilen wollte.

"INSEL FEHMARN" - Ob da nicht die Vermutung nahe liege, daß der Besitzer.......? Oder zumindest dessen Vorfahren....?    Das hätten sie leider nicht gesagt im Fernsehen, in dem Reisebericht "Aus den ehemaligen deutschen Kolonien". Lediglich das Hotel sei zu sehen gewesen, und zu hören waren - Shanties, na klar. Dazu fehmarnsche Spezialitäten, und man hätte tatsächlich meinen können, man befände sich auf der Sonneninsel. Die in der Ostsee. Die Sonneninsel, auf der Hermann Kruse gelebt hatte. Bis - ja, bis zu jenem 12. November 1872. Dem Tag der großen Novembersturmflut. Der Staaken, er stand unter Wasser, die Burger Tiefe auch, Preesen war überschwemmt, in Westermargelsdorf und Wallnau der Deich gebrochen, in Ohrt waren zwei Frauen ertrunken. Die traurige Bilanz einer einzigen Sturmnacht, dies meldete damals das Fehmarnsche Wochenblatt.

Der laut Wochenblatt "traurigste und ergreifendste Akt" jedoch ereignete sich in Fehmarnsund. Hier lebte im unmittelbar am Meer gelegenen Lotsenhus das Ehepaar Kruse, das sich - vom Wasser zurückgetrieben - mit seinen beiden Söhnen zunächst auf den Boden und dann auf das Dach des Hauses retten, sich hier jedoch nicht lange in Sicherheit wähnen konnte. Das Wasser stieg unaufhaltsam. Am dicht beistehenden Fährhaus vermochten die ebenfalls von den Fluten eingeschlossenen Bewohner die verzweifelten Hilfeschreie der Lotsenfamilie zu hören. Erst laut, dann immer leiser. Als das Wasser die Dachrinne erreicht hatte, da hatte es nämlich das gesamte Sparrenwerk abgehoben und - mitsamt der vierköpfigen Familie auf's offene Meer hinausgetragen. Zuerst die Mutter, dann verlor auch der jüngste Sohn den Halt und schließlich der Vater. Bis zuletzt nur noch der Erstgeborene auf dem zerbrechlichen Floß immer weiter hinausgetrieben wurde, immer weiter fort von seiner Heimatinsel. Dreimal sah der die Sonne auf und wieder untergehen, bis er schließlich die ihm vertraute Kieler Förde erblickte. Jedoch -  wurde der Junge wieder abgetrieben.

Aber auch dann noch bewahrte der 13-jährige sienen Verstand, behielt klaren Kopf auch dann noch, als sein Floß - mittlerweile hatte sich das Holz voll Wasser gesogen - in der noch immer tosenden See unterzugehen drohte. Einen Ziegel nach dem anderen löste er von dem, was ihm einmal das Dach über dem Kopf gewesen war, dazu gemacht, ihn und seine Familie zu beschützen vor den Launen der Natur. Einen nach dem anderen.

Und dann sah er Land. Den weißen Leuchtturm von Langeland. Kurz vor dessen Küste wurde der völlig er schöpfte Hermann Kruse vor dessen Küste wurde der völlig erschöpfte Hermann Kruse dann von einem französischen Schiff aufgegriffen; vier Matrosen hatten den Knaben unter Einsatz des eigenen Lebens an Bord genommen. Nach Kiel gebracht, heuerte er dort gleich auf einem Schiff an, zog es ihn gleich wieder auf die See. Die Südsee, um genau zu sein, nach Samoa.

Seine Nachkommen leben hier bis zum heutigen Tag. Im Hotel "Insel Fehmarn". Und da der alte Hermann Kruse seinen Enkeln und Ur-Enkeln auch die Heimattreue vererbt hat, waren sie schon des öfteren auf der fernen "Insel Fehmarn". Denn trotz Südsee und Palmenstrand - mien Heimat leegt an de Waterkant."Hotel Information for Internet Explorer -

 

Hotel Insel Fehmarn
Falealili Road
Motootua, West Samoa