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1949

von: Else Buegge-Wood

Dies ist mein Bild. Else Bügge‑Wood, als sie im Jahr 1948 einen Amerikaner, Thomas Eugene Wood heiratete, in einer amerikanischen militär Kirche, in Fürth, Bayern ‑ damals nannte man es West‑Germany, anstatt Deutschland, in der amerikanischen Besatzungs Zone.

Nach dem zweiten Weltkrieg war unsere Heimat besetzt von amerikanischen Truppen, englisch, französisch und russischen Truppen. Ich war beschäftigt bei der amerikanischen Besatzungs Regierung in Bayern und war so froh, daß der Krieg beendet war. Die Jahre nach dem Krieg waren immer noch ziemlich schrecklich, trotzdem versuchten wir Menschen alles zu überstehen; tief in unsern Herzen waren wir doch alle froh, daß wir das Töten überstanden hatten.

Ich mußte viele Untersuchungen und Verhöre untergehen, ehe ich endlich die Genehmigung bekam einen Amerikaner zu heiraten. Aber mein Bräutigam, Tom hatte all die Laufereien um die Papiere in Ordnung zu bringen, selber unternommen. Aber nicht die Erlaubnis in USA zu wohnen, dazu brauchte ich ein Visum.

Mein Mann wurde inzwischen vom Militär entlassen und war schon wieder in die Vereinigten Staaten zurück gereist. Er schickte mir ein schönes paar Schuhe. Er schrieb nicht oft, aber er schickte mir Geld in Dollars. Er unternahm auch die Anforderung für ein Visum für mich. Außerdem mußte er für meinen Flug von München nach Shannon, Irrland und nach New York, per Propeller Flugzeug selber bezahlen; denn nach dem 1. Januar, 1950 mußten die amerikanischen Soldaten, die deutsche Fräuleins geheiratet hatten, selber für den Flug nach Amerika bezahlen.

Das Flugzeug kreiste lange Zeit über den Flughafen in New York, ehe wir überhaupt landeten; es war ja kein Wunder, der Flughafen war ja almächtig groß. New York erschien mir von der Luft aus, wie ein enormes Manifesto aus Beton und Wolkenkratzer. Wir waren zu der Zeit alle sehr aufgeregt, und als wir landeten war mir als ob die Menschen alle plötzlich in verschiedene Richtungen verschwanden. Ich hatte schon alle Koffer- und Pass- Revedierung mitgemacht, auch die Zoll Untersuchung und bekam meine Freiheit.

Aber, was kommt jetzt? Ich hatte auf einmal große Angstgefühle, saß auf meinem Koffer und weinte entsetzlich; hauptsächlich als ein schwarzer Mann mich mit seinen großen Augen suchend anstarrte. Meine Furcht wurde nur noch schlimmer, bis der Schwarze Mann mich fragte ob ich die Frau Wood sei? Er sagte dann: "Ihr Mann ist in der nächsten Halle und wartet schon auf Sie!" Dann war meine Angst vorbei, und ich war sehr glücklich, alle Angst verging schnell. Dann ging ich durch die letzte Tür mit der Hilfe des Negers.

Als ich endlich alles überstanden hatte und meinen Mann Tom zum ersten Mal wiedersah, seitdem wir uns trennen mussten in Bayern, als er alleine nach Amerika fahren mußte, ohne mich,- um all die Papiere in Ordnung zu machen die ich nötig hatte um mein Visum zu erhalten und die Aufenthaltsgenehmigung für meine neue Heimat in Ohio.

Zusammen gingen wir durch die Straßen von New York. Ich glaube wirklich, daß es Tom genau so fremd war wie mir, in dieser großen Stadt, denn er lebte sein ganzes Leben auf der Farm seiner Familie, im Süden des Staates OHIO, während ich selber auf der kleinen Insel Fehmarn, in der Ostsee geboren war. Wir waren beide noch jung und das Stadtleben war uns beiden fremd, obgleich ich schon das Stadtleben im bombardierten Nürnberg und Fürth, in Bayern gewohnt worden war.

New York war ganz und gar nicht wie Deutschland, wo alle Städte total bombardiert waren, die Menschen lebten noch mit den miserablen Lebensmittelkarten. Ich weiß noch, auf dem Flugplatz in München verschenkte ich meine letzten Lebensmittelkarten als ich das Flugzeug auf dem alten Flugplatz in München bestieg.

Tom und ich wanderten umher in New York um eine Übernachtung zu finden in der großen Stadt. Ich überzeugte Tom, daß wir in einem Wolkenkratzer uebernachten sollten und wir gingen in das "New Yorker"  Hotel. Ein echter Wolkenkratzer, ich hatte so etwas noch nie in meinem Leben gesehen. Die Menschen sahen genau so aus wie in Deutschland. Ich fühlte mich ziemlich wohl. Unser Zimmer war in der 121ten Etage. Als ich aus dem Fenster sah wurde mir schwindlich. Am nächsten Tag liefen wir zur Bus Station und begingen unsere Reise mit dem "Grayhound" Bus und reisten in Richtung Gallipolis, OHIO.

Die ganzen Landschaften waren schon im Frühlingskleid, viele Städte, die wir durchreisten hatten dieselben deutschen Namen die man auch in Deutschland hatte. Die Felder waren schon alle grün, während man in Nürnberg noch Schnee und Eis hatte. Die Temperatur in Deutschland war viel kälter wie in Amerika, ausserdem war nicht eine einzige Stadt bombardiert wie in Deutschland. Der Unterschied war fast als käme ich aus einer Hölle und in ein Paradies hinein. Bis wir in die kleine Stadt von Gallipolis ankamen, die Stadt lag direkt an dem Ohio Fluß. Ganz romantisch situiert. Nur eine Hauptstraße führte durch die kleine Stadt, mit einem Kino. Die Geschäfte waren alle gefüllt mit Waren. In der Stadtmitte lag ein großer Park. Alles war fast unglaublich. In Deutschland feierte man Valentine Tag in 1950 und jetzt fing mein neues Leben an, weil mein Mann mich liebte und ich liebte ihn, glaubte ich nur, daß alles Gute uns erwartete. Tom seine Verwandten waren nicht da uns vom Bus abzuholen.

Als Tom seine Eltern anrief war sein Vater mit dem Auto unterwegs. Ein Farmer aus der Gegend nahm uns mit in einem Lastauto und bald waren wir auf der Farm wo ich seine ganze Familie kennenlernte.